Stephan Eschebach: Neuer Co-Trainer der Damen-Nationalmannschaft

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13. Apr. 2017

Vom Zeitnehmer zum Co-Trainer der Nationalmannschaft

Stephan Eschebach ist der neue Co-Trainer der Damen-Nationalmannschaft Torball. Mit Blindentorball.de sprach er über seine Anfänge im Torballsport, seine Philosophie als Trainer und die aktuellen Entwicklungen im Torball.

Bereits viel Erfahrung als Trainer gesammelt

Stephan Eschebach jobbte 1998 neben seinem Jurastudium im Verlag der Deutschen Blindenstudienanstalt (Blista) in Marburg. Dort lernte er über eine Arbeitskollegin den blinden Rechtsanwalt Michael Wallbaum kennen, der seinerzeit in der SSG Blista Marburg Torball spielte. 2001 fragte Wallbaum bei Eschebach an, „ob ich nicht Lust hätte beim Marburger Torball-Nachtturnier auszuhelfen. Ich habe dann am Zeitnehmertisch gesessen.“ beschreibt er seinen ersten Kontakt zum Torballsport. In der Folgezeit habe er sich dann häufiger „bei den Torballern sehen lassen.“ Im weiteren Verlauf half er immer wieder bei den Torballern aus und betreute auch das Jugendteam sowie die Seniorenmannschaft der Marburger bei Turnieren.

2002 griff der Torballsport dann auch in das Privatleben ein: „Bei einem Turnier in Kassel habe ich meine Frau Gabi Eschebach-Weck, die auch in der Torball-Nationalmannschaft spielt, kennengelernt. Dadurch bin ich auch dem Torballsport weiterhin treu geblieben“ Über die Stationen SSG Blista Marburg, VSG Frankfurt, ISC Viktoria Dortmund-Kirchderne kam er zur TG Unterliederbach, wo er seit wenigen Jahren dem Trainerstab angehört. Zusätzlich hat er 2016 auch die Leitung der neu formierten Marburger Torballgruppe übernommen,

Motivieren und „positive Emotionen freisetzen“

Stephan Eschebach tritt die Nachfolge von Helge Bröckelmann an, der in die Position des Chef-Trainers der Damen-Nationalmannschaft wechselt. Die Vorgänger des Teams Bröckelmann / Eschebach haben in den vergangenen Jahren überaus erfolgreiche Arbeit geleistet und konnten bei Welt- und Europameisterschaften immer vordere Plätze belegen. Bei der letzten Weltmeisterschaft 2015 in Magglingen gewann das Team WM-Gold. Eschebach sieht diese Situation jedoch nicht „als Druck an.“ Vielmehr zieht er daraus Ansporn und Motivation für seine künftige Arbeit: „Sich selbst von vorne herein unter einen Leistungsdruck zu setzen. lässt das Team verkrampfen.“ Besser sei es „Ziele selbst zu formulieren und diese mit Motivation zu erreichen. Ein Titelgewinn setzt positive Emotionen frei. Wir sollten uns daher von Begriffen wie ‚Erfolgsdruck‘ und ‚Titelverteidigung‘ distanzieren. Wir wollen die Titel selbst erspielen und nicht mit Begrifflichkeiten wie ‚Druck‘ oder ‚Verteidigung‘ arbeiten. Mit einer Einstellung, etwas verteidigen zu müssen, bringt man sich in eine abwehrende Haltung. Da können dann die nötigen Prozente fehlen, die in einem Endspiel, das physisch und psychisch an die Grenzen geht, benötigt werden.“

Gleichwohl nimmt Eschebach aber auch sich selbst und das Team in die Pflicht: „Trainer oder Co-Trainer einer Nationalmannschaft zu sein und mit den besten Spielerinnen zusammen zu arbeiten, ist sportlich das herausragendste für jemand, der sich in einem Sport als Trainer oder Betreuer engagiert. Es ist eine Auszeichnung, die zunächst Ansporn und Motivation sein sollte, etwas Besonderes zu erreichen. Jeder / jede muss aber auch selbst den Erfolg wollen und seinen / ihren Teil dazu beitragen: für sich und für die Mannschaft. Wir müssen uns nicht dem Erfolg oder sonst jemandem unterordnen. Im Gegenteil: Wir nehmen ihn uns selbst; mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln!“

Spielerinnen und Mannschaft physisch und psychisch weiterentwickeln

Neben den torballerischen Grundtugenden, wie solides Abwehr- und Angriffspiel, dem einfügen in taktische Vorgaben und der Fähigkeit alle Positionen spielen zu können, richtet Eschebach den Fokus „auf die individuelle Entwicklung der einzelnen Spielerinnen sowie die selbständige Zusammenarbeit des Teams auf dem Spielfeld.“ Für diese Selbständigkeit auf dem Spielfeld fordert er von seinen Spielerinnen „eigenes Spielverständnis“ ein und „nicht zwingend lediglich Vorgaben von der Trainerbank roboterartig“ umzusetzen. Die Spielerinnen sollen „auch eigenständig ein Spiel lesen und es im Bedarfsfall verändern oder anpassen können.“ Hier sei in der Arbeit mit jeder einzelnen Spielerin sowie im Mannschaftsverbund, „eine gewisse Flexibilität zu erreichen, die stark auf Kommunikation, Motivation und Emotion setzt.“ Dieser Ansatz berücksichtige, „dass vieles im Spiel über den Kopf entschieden wird. Eine positive Grundeinstellung, das Bedürfnis sich gegenseitig zu motivieren, die Fähigkeit, den Kopf nach einem Fehler schnell wieder frei zu bekommen müssen hierbei ebenso gefördert werden, wie umgekehrt einer Fehlerproduktion durch Übermotivation entgegen gewirkt werden muss.“

Neben den psychischen Fähigkeiten möchte Eschebach seine Spielerinnen aber auch im physischen Bereich weiter entwickeln: „Soweit es die Spielerinnen ohnehin nicht schon praktizieren, sollten ihnen Hinweise für die Ernährung und für das individuelle heimatliche Kraft- und Ausdauertraining an die Hand gegeben werden.“

Sehr gute Grundlage für zukünftige Arbeit

Der kommenden Aufgabe im Trainerstab sieht Eschebach positiv entgegen: „Im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit dem Chef-Trainer Helge Bröckelmann, dem Team-Manager Hans-Dieter Weidner und der Mannschaft empfinde ich es als sehr großen Vorteil, dass sich alle bereits gut kennen und kein personelles Neuland betreten wird. Von allen Beteiligten kann man zuversichtlich eine vertrauensvolle und zielorientierte Zusammenarbeit erwarten. Eine sehr gute Grundlage für die zukünftige Arbeit ist gegeben: Es kann also los gehen!“

„Die Arbeit mit einer Mannschaft ist immer spannend. Man muss sowohl den Blick für die einzelne Spielerin als auch für das komplette Team haben. Aber hier gehe ich davon aus, dass auch mit Renate Hundsberger als Mannschaftskapitän ein offener und vertrauensvoller Austausch stattfinden wird. Ich freue mich schon gemeinsam mit diesem Team das Schiff auf Erfolgskurs zu halten.“

Aufbruchsstimmung ist wahr zu nehmen

Auch für den Torballsport allgemein sieht Eschebach viele positive Entwicklungen. So habe vor allem der Vorsitzende der Abteilung Torball im DBS e.V., Jürgen Becker, durch die Einführung der Torball-Bundesliga sowie „seine offene, klare und verbindliche Art der Kommunikation mit dem DBS e.V. dazu beigetragen, dass Bewegung in den Torballsport gekommen ist. Aufgrund der mittlerweile guten Zusammenarbeit mit dem DBS sowie dem Willen vieler Akteure im Torballsport etwas zu bewegen, ist derzeit durchaus eine Aufbruchsstimmung spürbar.“ Mit Blick auf die Jugendarbeit ergänzt er: „Nun muss man diesen Wind in den Segeln nutzen, um Maßnahmen zur Förderung des Torballsportes zu unternehmen. Insbesondere an einer der größten Blindenschulen Deutschlands, der Carl-Strehl-Schule bzw. der Blista in Marburg ist deutlich erkennbar, dass man hier wieder ins Gespräch kommen muss, damit man Schüler und Jugendliche für den Torballsport wieder begeistern kann. Das bedeutet: Angebot von regemäßigen Trainingsmöglichkeiten sowie die Jugendlichen zu motivieren an Turnieren und Meisterschaften teil zu nehmen. Dass dies funktionieren kann, zeigt das Beispiel TG Unterliederbach. Hier haben sich zwei Jugendspieler im Alter von 15 Jahren der Herausforderung 3. Torball-Bundesliga gestellt und diese Aufgabe mit Bravour gemeistert und sind hochmotiviert, an weiteren Meisterschaften und Turnieren teil zu nehmen.“

„Gleichzeitig ist es wichtig weiterhin Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und den Bereich Sponsoring auszubauen.“ Beschreibt Eschebach die weiteren Herausforderungen für die Zukunft des Torballsportes.

Mar-S

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