Porträt Ramona Ernst

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11. Apr. 2017

Ramona Ernst: Neue Co-Trainerin Nationalmannschaft Herren

Von „Helmuts Tochter“ zur Co-Trainerin Nationalmannschaft

Ramona Ernst tritt die Nachfolge von Josef Albanese in der Position des Co-Trainers der Herren-Nationalmannschaft Torball an. Hier ist ein kurzes Portrait über die gebürtige Nordhessin.

„Gefühlt bin ich schon immer dabei“

Im Alter von fünf Jahren wurde Ramona Ernst zum ersten Mal von Ihrem Vater, Helmut Ernst, seines Zeichens selbst aktiver Torballspieler in der BSG Kassel mit ins Training genommen. „Seit dem bin ich dabei geblieben. Erklärt sie und fügt grinsend hinzu: „Man könnte also sagen: Von Helmuts Tochter zur Trainerin. Gefühlt bin ich also schon immer dabei.“

Große Unterschiede in der Arbeit zwischen Vereins- und Nationalteam

Ramona Ernst konnte vor Ihrer Berufung zur Co-Trainerin der Nationalmannschaft schon viel Erfahrung als Vereinstrainerin in verschiedenen Klubs sammeln. in den unterschiedlichen Arbeitsbedingungen zwischen Verein und Nationalmannschaft sieht sie die größte Herausforderung: „Auf Vereinsebene trainiert man regelmäßig und kann entsprechend Grundlagen erarbeiten. Die Spieler kennen sich untereinander gut. Der Trainer kennt seine Mannschaft und kann unmittelbar auf Entwicklungen einwirken sowie neue Inhalte und Abläufe einstudieren. Das Nationalteam hingegen trifft sich maximal zu drei bis vier Lehrgängen pro Jahr. Da bleibt für Grundlagenarbeit keine Zeit. Hier muss der Fokus auf Abstimmung und Taktik liegen. So müssen hier z. B. Abwehrverhalten und Angriffsarbeit koordiniert werden. Da hier in den Vereinen durchaus unterschiedliche Varianten bevorzugt werden, ist es auf Nationalmannschaftsebene vorrangig, das Team auf ein gemeinsames Spielsystem einzustimmen.“

„Ich kann mich nicht mit Josef vergleichen“

Während den Vorbereitungs- Lehrgängen zur Torball-WM 2015 in Magglingen hatte Ramona Ernst das Nationalteam des Öfteren in der Funktion einer Schiedsrichterin unterstützt und konnte somit Einblicke in die Arbeit ihres Vorgängers, Josef Albanese, erhalten. Mit Blick auf diese Zeit sagt sie: „Ich konnte sehen mit welch einer Begeisterung Josef mit der Mannschaft gearbeitet hat. Ich finde es schade, dass er zum Schluss aus privaten Gründen nicht mehr dabei sein konnte.“ Vergleichen mit ihrem Vorgänger erteilt sie jedoch eine Absage: „Jeder Mensch ist anders und setzt Dinge auf unterschiedliche Art und Weise um. Ich denke nicht, dass ich mich mit Josef vergleichen kann. Zumal ich auch nicht in die Arbeit des damaligen Trainerteams involviert und somit auch nicht mit seinen spezifischen Aufgaben vertraut war.“

Erfolgsdruck als Ansporn

Rückblickend auf die erfolgreiche Zeit des Trainer-Duos Hans-Dieter Weidner / Josef Albanese spürt Ramona Ernst durchaus einen gewissen (positiven) Druck für das künftige Duo Ralf Thurm / Ramona Ernst: „Hans-Dieter und Josef wurden mit der Nationalmannschaft einmal Weltmeister und einmal Vize-Weltmeister. Viel erfolgreicher kannst Du nicht sein. Aber genau hierin liegt auch der Ansporn für meine Arbeit. Das Ziel ist es mit dem Chef-Trainer, Ralf Thurm, diese erfolgreiche Arbeit fortzusetzen.“

Dafür, wie das Nationalteam in der Erfolgsspur gehalten werden soll, hat Ramona Ernst auch klare Vorstellungen: „An erster Stelle steht für mich eine gut funktionierende Abwehr. Eine gute, stabile und vor allem variable Defensive macht das Spiel nach vorne einfacher. Ziel muss es sein, den Gegner zu mehr Risiko in den Angriffsaktionen und somit zwangsläufig zu Fehlern zu zwingen.“ Und ergänzt grinsend: „Wenn Du dann mit 1:0 gewinnst hast Du alles richtig gemacht.“

Jugendarbeit fördern - Strukturen weiter entwickeln - Professioneller werden

„In letzter Zeit hat sich sehr viel getan. Wir sind auf einem guten Weg, den Torballsport auf professionelle Beine zu stellen. Hier sind vor allem die Gründung der Deutschen Torball-Liga und damit verbunden die Etablierung des Liga-Systems sowie die Einführung der Deutschen Schulmeisterschaft zu nennen.“ sieht Ramona Ernst positive Entwicklungen im Bereich des Torballsports.

Für die Zukunft hat sie trotzdem noch einige Themen auf der Agenda: „Ich würde mich sehr freuen, auf lange Sicht jüngeren Spielern eine Chance geben zu können in den Nationalmannschaftszirkus hinein zu schnuppern und so den Spielerkreis zu erweitern. Wünschenswert wäre in diesem Zusammenhang der Aufbau einer Jugendnationalmannschaft. Grundlegend hierfür ist, dass die jungen Spieler nicht nur in den Schulen die Möglichkeit erhalten den Torballsport kennen zu lernen, sondern dass sie auch nach ihrer Schulzeit nicht alleine gelassen werden. Hier muss die Kommunikation zwischen Schulen, Vereinen, Verbänden und den etablierten Spielern ausgebaut werden, um die Jugendlichen bei einer Vereinssuche aktiv zu unterstützen.“

„Nicht zuletzt sollte mehr Zeit in die Ausbildung von Schiedsrichtern investiert sowie ein größerer Austausch zwischen Trainern und Schiedsrichtern angestrebt werden. Auch eine Überarbeitung des Regelwerks wäre wünschenswert. Hier gibt es zu viele Graubereiche, welche unterschiedlich ausgelegt werden können.“ sieht Ramona Ernst auch im organisatorischen Bereich noch Handlungsbedarf.

Mar-S

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